Reisen durch das Schlesische Elysium…

… von Anmut, Poesie, Klugheit und vortrefflichen Ideen

Schlesien ist ein Land, dass sich einst nach allen Seiten öffnete. Eine schwungvolle Eichenblattform weist auf die feste Verzahnung mit dem Nachbarland hin, auf den gegenseitigen Austausch von Kultur und Lebensart.

Von Westen zog die Hohe Straße quer durch Schlesien nach den Weiten des Ostens. Von Süden reisten die Händler auf ausgetretenen Handelswegen und Pfaden, querten das Gebirge und unterschiedliche Flüsse, hin zur Ostsee und ins Baltikum.

Im Westen reicht die schlesische Region, zwischen Brandenburg und Sachsen, wie ein Keil bis an die Grenze von Sachsen-Anhalt.

Die Bewohner von Dresden und Berlin schätzen die Nähe zum schlesischen Nachbarland.

In weniger als drei Autostunden tauchen sie in die zauberhaften Gefilde einer einzigartigen Region ein. Streifzüge durch die reizvollen Handelsstädtchen sind beliebt. Die schlesische Handwerkskunst ist über die Landesgrenzen hinaus berühmt und begeistert auf ganz besondere Weise.

Sei es die Töpferstadt Bunzlau, die spannende Geschichte der Kristallglashütte Julia oder der bewegte Werdegang der Porzellanmanufaktur Krister in Waldenburg – die Region berührt mit einer ereignisreichen Geschichte und einer beeindruckenden Kulturlandschaft.

 

Tal der Schlösser und Gärten

Schon seit dem Mittelalter hatten sich in dieser Region Rittergeschlechter und Adelsfamilien niedergelassen und eine Vielzahl von Festungen, Burgen und Herrensitzen angelegt. Die ersten preußischen Adligen entdeckten Ende des 18. Jahrhunderts den Reiz des Riesengebirgsvorlandes. Sie erwarben Landgüter, die sie zu behaglichen Wohnsitzen umbauen ließen. Mit ihnen kamen die berühmtesten Baumeister der damaligen Zeit wie Friedrich August Stüler und Karl Friedrich Schinkel.

Im Taumel der Erinnerungen: Die Hirschberger Schlösser laden zu einem unvergesslichen Aufenthalt ein.

Im Jahre 1888 schrieb Fürstin Eleonore Reuß über den Wohnstil der gräflichen Familie von Reden auf Schloss Buchwald (Bukowiecz): „Die Zimmer sind zwar etwas klein und niedrig, aber so geschmackvoll möbliert, so zierlich und nett, dass man sich recht wohl darin fühlt.“

Das Schloss Buchwald (Bukowiecz) ist heute ein recht unscheinbares Verwaltungsgebäude.

Hingegen laden die Schlösser Fischbach (Karpniki), Stonsdorf (Staniszów) oder Lomnitz (Lomnica) zu einem wunderschönen Aufenthalt ein.

Besonders reizvoll erweist sich Schloss Wernersdorf, unweit der Glashütte Julia in Petersdorf (Piechowice).

Dezenter Luxus, elegante Räume im venezianischen Stil und eine herrliche Aussicht auf die Burg Kynast – das Hotel lässt keine Wünsche offen. Die ehemalige Leinenbleiche besticht mit einem einzigartigen Ambiente in einer traumhaften Lage am Rande des Riesengebirges.

Darüber hinaus begeistern die charmanten Unterkünfte mit einer exzellenten Küche. Manche locken mit kulinarischer Nostalgie: „Wer das Himmelreich nicht kennt, der hat umsonst gelebt.“

Hier handelt es sich um das viel besungene schlesische Nationalgericht. Vermutlich denken urkundliche Feinschmecker bei dem Namen „Schlesisches Himmelreich“ an eine raffinierte kulinarische Verführung der Extraklasse. In der Tat beruht das Gericht aber auf schlesischer

Bescheidenheit und bestand aus den Zutaten Rauchfleisch, Backobst und Klößen. Die gediegene Hausmannskost kam bevorzugt in der Weihnachtszeit auf den Tisch.

Nicht nur das Tal der Schlösser und Gärten ist aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Die gesamte schlesische Region hat sich großartig entwickelt und zieht unzählige Besucher in ihren Bann. In zahlreichen schlesischen Städten, besonders aber in Liegnitz, Görlitz, Striegau, Reichenbach, Bunzlau oder Glogau, begeistert eindrucksvolle Baukunst aus mehreren Jahrhunderten.

Grünberg (Zielona Góra) lockt als nördlichstes Weinbaugebiet mit köstlichen Tropfen und Rybnik liefert ein eindrucksvolles Zeugnis aus der Blütezeit des Bergbaues.

Bäder, Bauten, Handwerk, Industrie – Schlesiens Reichtum ist grenzenlos.

Eine schlesische Melange aus Landschaft, Kultur und Handwerk

Allerlei Farben spiegeln sich in diesem heiteren schlesischen Guckkasten: Anmutige Landschaften und fruchtbares Ackerland, hohe Berge mit Felsgestein, stille Moore und tiefe Mischwälder mit unverwechselbaren Düften.

Liebliche Mittelgebirge leiten über zu den Hochkämmen im Süden, die im Riesengebirge bis zu der 1602 Meter hohen Schneekoppe ansteigen.

Vor 1000 Jahren glich das Mittelgebirge zwischen Saale und der oberen Oder einem Urwald. Deutsche Bauern besiedelten ihn und rodeten zu beiden Seiten in mühseliger Arbeit den Wald. Es entstanden zahlreiche Waldhufendörfer. Eine Fahrt entlang der Flussufer oder auf der Oder vermittelt unvergessliche Eindrücke. Uralte Eichenwälder säumen den breiten Strom, der seit jeher den Lebensnerv Schlesiens bildet.

 

Das Land ist wie eine Drehbühne, hier hatte alles seinen Platz: Bauern und Feldherren, Herzöge und schöne Fürstentöchter, Literaten und bildende Künstler, Trachten und verschiedenste Mundarten als auch Friedenskirchen und Siegesdenkmäler.

Das schwer zugängliche Felsgestein der Gebirge hütete eine Fülle von Schätzen, zu denen Kohle, Eisen und heiße Quellen gehörten. Quarzgestein war reichlich vorhanden. Es diente der Glasherstellung. Darüber hinaus erwies sich die Tonerde (bei Bunzlau) in einer solchen Qualität, dass sie nur einmal gebrannt werden musste. Neben goldwogendem Korn wuchs blaublühend der Flachs, aus dem die Weber ihre Leinen weben.

 

Andenken, Kunstwerke und schöne Traditionen

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die Weberei der bedeutendste gewerbliche Zweig der schlesischen Wirtschaft. Viele Familien lebten von der Leinenweberei. Es gab kaum ein Bauernhaus, in dem nicht gesponnen wurde.
Heute erinnern noch kleine Betriebe an die damalige Produktion.

Ein außergewöhnliches Erlebnis ist der Besuch in der Kristallglashütte Huta in Petersdorf (Piechowice). Graf Leopold Schaffgotsch gründete im Jahre 1842 die Josephinenhütte, welche sich zur bedeutendsten Kunstglashütte Schlesiens entwickelte und international einen ausgezeichneten Ruf hatte. Heute erleben die Besucher vor Ort die Produktion live. Ein Aufenthalt lohnt. Sehenswert ist die malerisch gelegene katholische Kirche im Niederdorf aus dem Jahre 1652.
Nicht weniger interessant ist der Besuch des reizenden Örtchens Waldenburg (Walbrzych). Zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert war Waldenburg ein Handwerksstädtchen. Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte es sich zu einem Leinenhandelszentrum. „Waldenburger Linnen“ wurde bis nach Spanien und Holland exportiert. Im Jahre 1834 entstand die erste Porzellanfabrik der Welt mit Steinkohlenfeuerung. Die Waldenburger Firmen Krister und Thielsch gehörten zu den größten Porzellanherstellern Europas.
Bis heute wird im Stammhaus von Waldenburg Porzellan produziert.

Auf den Spuren großer Künstler

Ende des 19. Jahrhunderts bildete sich um die in Schlesien geborenen Dichter Gerhart Hauptmann und dessen Bruder Carl eine kleine Künstlergemeinde. In dem Gebirgsdorf Schreiberhau (Szklarska Poreba) bewohnten die Brüder ein Haus im Agnetendorf. Hier entstanden große literarische Werke, wie „Biberpelz“, „Die versunkene Glocke“ und das wohl bekannteste Drama „Die Weber“, mit dem Gerhart Hauptmann der Generation seines Großvaters ein literarisches Denkmal setzte.

Zahlreiche Künstler, Maler und Dichter verschlug es in die unbeschreiblich schöne Region: Casper David Friedrich, Carl Gustav Carus (1789-1869) Johann Gottfried Seume (1763-1810), Werner Fechner, Georg Wichmann und Franz von Jackowski. Der aus Südtirol stammende Professor Dell´Antonio leitete die Holzschnitzschule in Warmbrunn. Das Gebäude ist heute ein beliebter Anlaufpunkt bei einer Stadtbesichtigung.

Nicht zuletzt huldigte Johann Wolfgang von Goethe dem Zauber der Region.

Mit ihren Werken haben die Künstler das Riesengebirge einer breiten Öffentlichkeit zugeführt. Sie gelten als die eigentlichen Entdecker dieser Bergregion.